Hauskreistreffen

Erstes Treffen

1) Einsteigen

Wen würdest du normalerweise als „selig“, „glücklich“ oder „gesegnet“ betrachten; wie würdest du die Lebenslage einer solchen Person beschreiben?

Aufgabe: Jeder notiert seine Definition bzw. Überlegung auf einen Zettel. Sammelt dann die Zettel und lest sie laut vor.

(Ergänzung für vertraute Gruppen: Die Gruppe rät, wer die jeweilige Antwort gegeben hat. Was zeigt die Antwort vielleicht über den Schreiber selber?)

2) Zuhören und beobachten

Hinweis: Es erscheint sinnvoll, den Aufbau der Seligpreisungen als Ganzes zu betrachten, bevor ihr dann konkreter nachdenkt über eine ausgewählte Seligpreisung, oder höchstens zwei. Aus den nachfolgenden Gesprächsanregungen muss jedenfalls eine Auswahl getroffen werden, weil der Gesprächsstoff für viel mehr als ein Treffen ausreicht…

Aufgabe: Lest Matthäus 5,1-12 mehrmals in verschiedenen Übersetzungen laut vor.

Warum wohl haben diese Verse solche allgemeine Attraktivität?

Hinweis: Verschiedene christliche Traditionen sehen sie als ein erreichbares Programm, oder einen unmöglichen Traum, oder eine von vielen Möglichkeiten dazwischen. Es könnte interessant sein, festzustellen, welche Ansicht die Teilnehmer derzeit (noch?) vertreten.

Zu wem spricht Jesus hier eigentlich? – Beachtet die Gesprächssituation (vgl. Matthäus 5,1+2 mit 7,28) und den Umstand, dass der Begriff „Jünger“ bei Matthäus nicht notwendig auf die Zwölf begrenzt ist (z.B. Matthäus 8,21).

Die erste und achte Seligpreisung (V.3 + 10) haben eine gleichlautende „Motivation“, die Zugehörigkeit zum „Himmelreich“. So rahmen sie die anderen Seligpreisungen ein, deren Thema auf diese Weise ebenfalls benannt ist. Zusammen stimmen sie den Grundton für die ganze Bergpredigt an (vgl. Matthäus 5,20).

Beschreibt den Aufbau einer einzelnen Seligpreisung, wie er durchgängig bei allen zu beobachten ist.

Beachtet den Wechsel der grammatischen Person zwischen V.3-10 einerseits und V.11+12 andererseits, und die für die Verfolgung genannten Gründe in V.10 und V.11. Welche Folgerungen leitet ihr daraus ab?

Wie unterscheidet sich unsere übliche Beschreibung einer „glücklichen“ oder „gesegneten“ Person von der Beschreibung, die Jesus nennt (V.1-12)? (Vergleicht dazu auch eure beim „Einstieg“ gegebenen Antworten.)

3) Erklären

 V.3+10 – Himmelreich – Was bei den anderen Evangelisten „Reich Gottes“ oder „Königsherrschaft Gottes“ heißt, umschreibt Matthäus mit „Reich der Himmel“. So vermeidet er nach jüdischer Sitte die Nennung des Gottesnamens, betont vielleicht zugleich auch die Weltüberlegenheit Gottes. Der Begriff bezeichnet weniger einen Ort oder ein Gebiet, als vielmehr die aktive Herrschaftsausübung Gottes. Diese Macht steht im Zentrum der Verkündigung von Jesus; diese Botschaft bildet den Rahmen der Bergpredigt (vgl. Matthäus 4,17+23; 5,19+20).

Himmelreich – auch: Königsein, Königtum, Königsmacht, (Königs-) Herrschaft; Königreich, Reich Gottes. – Ganz allgemein umgreift Gottes absolute Herrschaft zwar die ganze Schöpfung und alle Zeiten, bis in die Ewigkeit hinein – diese Souveränität wird durch den auferstandenen und erhöhten Christus ausgeübt (vgl. Matthäus 28,18; 1.Korinther 15,25). Hier aber geht es um einen Begriff der Gottesherrschaft, der zwar in dem vorgenannten beinhaltet ist, spezieller aber sich auf Gottes heilschaffendes Handeln bezieht: Durch die Person Jesu und durch sein Handeln bricht Gottes Reich bereits an: „Es ist der Zustand, wenn Gott seine heilstiftende Herrschaft über alle Bereiche dieser Welt aufrichtet und alles Böse daraus verbannt“(Knoch) . Die Macht des Bösen wird gebrochen (Matthäus 12,28), und die Heilung einer kranken Welt kommt in den Blick (Matthäus 5,1ff).

Dieser (Königs-)Herrschaft Gottes anzugehören bedeutet, am Leben teilzuhaben; in das Himmelreich zu gelangen bedeutet, das Leben zu finden (vgl. Matthäus 7,21 mit 7,13+14).

Das „Reich Gottes“ ist ein so zentraler Begriff in der Botschaft Jesu, dass man ihn auch als Zusammenfassung seiner Sendung verstehen könnte (vgl. Matthäus 4,17; Markus 1,14f; Lukas 9,1f). „Weil Gottes Herrschaft sein Handeln am Menschen zum Heil des Menschen ist, gilt ‚dass es sich beim Gottesreich um das Ganze der Verkündigung Jesus Christi und seiner Apostel handelt‘ “ (Schnabel). Je nach Zusammenhang öffnet sich eine gegenwärtige oder eine zukünftige Perspektive (z.B. Matthäus 4,23; 5,19+20; 6,10+33; 7,21; 8,11+12 u.a.). „Die christliche Existenz vollzieht sich zwischen der vollzogenen Erlösung und der erwarteten Vollendung, und sie beinhaltet Abhängigkeit von der Gnade des Herrn, der gekommen ist, der gegenwärtig ist und der kommen wird“(Beasley-Murray). Dadurch entsteht eine Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“: Wir erfahren „schon jetzt“ einige der Segnungen des Reiches Gottes; aber wir erhalten sie „noch nicht“ vollkommen und in ihrer Ganzheit (sondern erst bei der Wiederkunft Jesu). Aus dieser Spannung sind wir unser ganzes Leben lang grundsätzlich nicht entlassen (Römer 8, 23-25; 2.Korinther 5,1-9). Wer sie nach einer Seite hin aufzulösen versucht, wird in Schieflage geraten: Entweder wird er dann seine Hoffnung einzig auf Gottes zukünftige neue Welt setzen und ihm darüber in der Gegenwart kein veränderndes Handeln mehr zutrauen; oder er wird von Gott alles schon im Heute erhoffen und damit den Himmel auf Erden suchen oder schaffen wollen.

Aufgabe: Beschreibt diese Spannung aufgrund eigener Erfahrungen. Erzählt auch, wie ihr damit umgeht.

4) Vertiefen

V.3 – Selig; glücklich, gesegnet – In Bezug auf Menschen verwendet, steht „gesegnet“ weitgehend in gleicher Bedeutung wie das hier mit „selig, glücklich“ übersetzte Wort (vgl. Jeremia 17,7 mit Psalm 1,1-3). „Gesegnet ist, wer…“ oder „Heil von Gott gilt dem, der…“ – ist das Trost für die Zukunft, oder Anweisung für die Gegenwart, oder…? Beschreiben die Seligpreisungen nur etwas, oder fordern sie indirekt auch zu etwas auf (vgl. Lukas 6,20-28)?

Aufgabe: Wählt eine Seligpreisung aus, über die ihr intensiver sprecht…

5) Tun

Welche Perspektive der Seligpreisungen hat dich am meisten getröstet oder begeistert? Warum?

Wo haben dich die Seligpreisungen herausgefordert, anders zu sein? Wie kann das aussehen? Welchen Schritt möchtest du konkret in diese Richtung tun? (Wann wirst du es tun? Wer könnte dich dabei unterstützen?) Welche Schritte wollen wir gemeinsam als Gruppe tun?

Das vorliegende Konzept geht davon aus, dass es in der Gemeinde bereits einige Hauskreise bzw. Kleingruppen gibt. Falls einige davon sich nicht wöchentlich treffen, sollten diese rechtzeitig den zusätzlich benötigen Termin vereinbaren. – Falls keine Gesprächsgruppen verfügbar sind, könnten im Vorfeld beispielsweise „Kleingruppen auf Zeit“ eingerichtet werden. Die dazu erforderlichen Überlegungen und sorgfältigen Vorbereitungen können hier aber nicht entfaltet werden.