Persönliches Bibellesen

Das eigene Bibellesen ist wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Lesen Sie Ihre Bibel während dieser zwei Wochen möglichst täglich gemäß einer der nachfolgend beschriebenen Methoden. Bitten Sie Gott, durch sein Wort zu ihnen zu sprechen. Wählen Sie Tageszeit und Ort so aus, dass Sie ungestört und konzentriert sind. Bleiben Sie in dieser Zeit bei nur einer Übersetzung, um mit dem Wortlaut so vertraut wie möglich zu werden.

Sie können nach Ablauf der ersten Woche entweder von einer Methode zu einer anderen wechseln, oder während des ganzen Zeitraumes von zwei Wochen bei einer Methode bleiben. Im ersten Fall werden Sie die Wirkung von verschiedenen Methoden kennenlernen, im zweiten Fall die Intensivierung von einer einzelnen. Beide Möglichkeiten haben ihren Reiz.

  • Meditation

    Hierbei geht es darum, das Wort Gottes sinnend zu betrachten. Im Unterschied zu manchem fernöstlichen Verständnis meint das Meditieren hier also nicht die Konzentration auf das, was etwa „in mir“ zu entdecken wäre, sondern eine beschauliche Achtsamkeit für das, was Gott mir „von außen“ durch sein Wort zuspricht.

    Lassen Sie die biblischen Aussagen wirken, ohne den Text analytisch zu studieren. (Das ist eine andere sehr hilfreiche Methode, die hier aber nicht im Blick ist. – Allerdings darf auch ein beim Meditieren gewonnener Eindruck der ursprünglichen Textaussage nicht widersprechen.)

    Welcher Bibelvers spricht Sie besonders an? Wiederholen Sie ihn und denken Sie darüber nach. Hören Sie auf das, was Gott ihnen wohl damit sagen will; bewegen Sie es betend; kommen Sie mit Gott ins Gespräch darüber.

  • Auswendig lernen

    Das Ziel ist, das Wort Gottes „herzlich“ zu verinnerlichen und uns davon prägen lassen. Im Zeitalter des „Online-Modus“ gewöhnen wir uns daran, Informationen jederzeit abrufen zu können und auf dem Laufenden zu sein. Beim diesem Auswendiglernen geht es hingegen nicht um das Abspeichern von Wissen, das vielleicht auch anderweitig verfügbar wäre, sondern auch darum, dass wir im Lauf innehalten. Das englische „learning by heart“ meint im heutigen Sprachgebrauch zwar schlicht „auswendig lernen“. Die Wortherkunft bringt aber sehr schön zum Ausdruck, was in unserem Fall gemeint ist: Nicht die mechanische Wiedergabe eines Wortlautes, sondern gewissermaßen „innwendig lernen“ – ein Lernen, das zu Herzen geht bzw. von Herzen geschieht. Solche verinnerlichten Bibelworte können in unserem Leben eine wundervolle geistliche Dynamik entwickeln.

    Nehmen Sie eine vertraute Übersetzung, damit Sie sich auf das Erlernen der Inhalte konzentrieren können und sich nicht an einen neuen Sprachstil gewöhnen müssen. Lesen Sie mehrmals laut oder halblaut, lernen Sie Halbsätze eines Verses bzw. Sinnabschnitte und fügen Sie diese „schrittweise“ zusammen.

    Ergänzender Vorschlag: Schreiben Sie einzelne Verse auf Kärtchen. Wenn Sie bei neuen Sinnabschnitten jeweils eine neue Zeile beginnen, erleichtert dies das Auswendiglernen.

    Beispiel:

    Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. (Matthäus 5,3 – Einheitsübersetzung)

    Kärtchen:

    Er sagte:

    Selig, die arm sind vor Gott;

    denn ihnen gehört das Himmelreich.

    (Matthäus 5,3)

    Wenn Sie täglich einen solchen Vers bei sich tragen, ihn gelegentlich hervorholen und sich einprägen, werden Sie mit diesem Bibelwort vermutlich mitten im Alltag erstaunliche Erfahrungen machen…

  • Schatzsuche

    Diesem Ansatz liegt die Absicht zugrunde, dass wir unsere Sinne schärfen lassen für den Reichtum, den Gottes Wort beinhaltet. Häufig meine ich den Sinn eines Bibelabschnittes schon zu kennen, ohne genau hinzuschauen, was wirklich dort steht. Oder ich erfasse zwar einen Leitgedanken, bin aber unaufmerksam für die weiteren Gedanken, die darin ebenfalls angesprochen werden. Schade, denn dann entgeht mir viel! Hier gilt es, Hacke und Spaten auszupacken, um einen Schatz zu heben…

    Woche 1: Notieren Sie 30 verschiedene Beobachtungen zu diesen Bibelversen!

    Insbesondere die „W-Fragen“ helfen dazu (– „nur wer fragt, kommt weiter…“):

    Wer – wie – was – warum – wann – wozu – welche…   – Achten Sie dabei nicht nur auf die einzelnen Verse, sondern auch auf die Verbindung der Aussagen untereinander und den größeren Zusammenhang, in dem diese stehen. Grammatische Verbindungen, Textaufbau, Wortwahl, Gedankenfluss…  –  Sie können davon ausgehen, dass alles in Inhalt und Form mit Absicht genau so aufgeschrieben worden ist, wie es da steht! Jedes Detail kann wichtig werden und neue Einsichten befördern. Und noch etwas: Lassen Sie die Kommentarbücher, zu denen Sie sonst vielleicht greifen, dieses Mal im Regal stehen, und beobachten Sie stattdessen noch etwas genauer…

    Woche 2: Notieren Sie weitere 30 Beobachtungen zu diesen Bibelversen – also andere als in Woche 1!

Der einzelne Bibelleser inmitten des gemeinsamen Prozesses

In Ihrer Gemeinde wird an einem Sonntag das Startsignal gegeben, etwa so: „Innerhalb der kommenden zwei Wochen wollen wir miteinander Matthäus 5,1-12 lesen und bedenken. Wir bitten Sie, dieses Bibelwort in den nächsten Tagen wie einen Leckerbissen gut zu „kauen“! Die Vorschläge, wie Sie das für sich und in den Hauskreisen tun können, verteilen wir Ihnen heute als Handblatt am Ausgang. Unser Gottesdienst am nächsten Sonntag wird von den Seligpreisungen handeln.“

Ab Montag lesen Sie täglich diesen Bibelabschnitt mittels einer der beschriebenen Methoden und machen Ihre Entdeckungen. Ein Notizheft wird Ihnen während dieser Zeit gute Dienste leisten. Wenn Sie an einem Hauskreis teilnehmen, wird das Gespräch in dieser Woche gewiss weitere Aspekte hinzufügen. Bis zum Samstag haben Sie auf diese Weise eine Woche lang das Bibelwort „gekaut“. Sie werden bis dahin sicherlich einige Erkenntnisse gewonnen haben und frische Erfahrungen im Alltag damit machen; wahrscheinlich kommen auch neue Fragen auf. Der besondere Reiz dieses ganzen Vorgehens liegt darin, dass Ihre ersten eigenen Entdeckungen mit den Seligpreisungen dem Gottesdienst und der Predigt darüber vorausgehen.

Am Sonntag werden Sie dieser Predigt über die Seligpreisungen sehr aufmerksam folgen: „Wie fügt sich diese Botschaft zu dem, was ich bislang aufgefasst habe? Welche meiner offenen Fragen greift der Verkündiger auf?  Wie beantwortet er sie?  Welche meiner Erfahrungen werden berührt? Welche neuen Fragen tauchen auf? Was habe ich bisher übersehen oder möglicherweise ganz anders verstanden?“

Ab dem Montag der „Woche 2“ kommen durch das persönliche Bibellesen und das zweite Treffen des Hauskreises weitere Eindrücke hinzu. Gut möglich, dass Sie nun die Seligpreisungen in einem anderem oder intensiverem Licht sehen als bisher. Der an diese Woche anschließende zweite Gottesdienst wird, mit seinem Spektrum von Einsichten und Berichten, Ihnen den Horizont nochmals erweitern.